Mittwoch, 20. Januar 2010

Das Handelsblatt zitiert am 14.01.2010 in einem kurzen Online-Artikel Herrn Sanio wie folgt:
[Handelsblatt] FRANKFURT. Die Unternehmen könnten ihren Kunden wohl schon in diesem Jahr nicht mehr so hohe Renditen zusagen, sagte der Präsident der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin), Jochen Sanio, am Donnerstag in Frankfurt. Ihr Geschäftsmodell basiere darauf, dass es immer Kapitalanlagen mit ausreichender Rendite gebe, um die Zinsversprechen erfüllen zu können. Daran seien "angesichts des gegenwärtigen Zinsniveaus Zweifel angebracht", mahnte er.
"Unmittelbar gefährdet ist aber noch kein Versicherer", betonte Sanio. Bei den meisten Unternehmen der Branche werde es reichen, die Überschussbeteiligung der Versicherten zu senken. Bereits im Dezember hatten viele Versicherer ihre Verzinsungen für 2010 um einige Zehntelpunkte gesenkt, allen voran der Marktführer Allianz Leben. "Diese Entwicklung wird sich fortsetzen; wir erwarten weitere Senkungen auch in diesem Jahr", sagte Sanio. Niedrige Zinsen bedeuteten nicht das Aus für die klassische Lebensversicherung. "Die Versicherer müssen aber intensiver als bisher planen, welche Garantien sie sich künftig leisten können und wie sich diese auf Dauer finanzieren lassen.
Herr Sanio ist kein Diplomat. Schon in der Vergangenheit hat die von ihm gewählte direkte Sprache darauf hingewiesen, daß sich hinter dem Schutzwall der Vertraulichkeit bemerkenswerte Dinge ereigneten.
Es liegt nahe, seine Wortwahl auch in diesem Fall entsprechend zu interpretieren.

Wenn Herr Sanio sagt "unmittelbar gefährdet ist aber noch kein Versicherer" dann kann daraus auch geschlossen werden, daß eine mittelbare Gefährdung eines oder mehrerer Versicherer gegeben ist.

Herr Sanio meint folgendes: Wenn die Baisse für Zinspapiere andauert, geraten die Anbieter klassischer Lebensversicherung in die Schere zwischen sinkender Verzinsung des Deckungsstocks und vertraglich vereinbarter Mindestverzinsung bzw. Rentenfaktoren.

Aber nicht nur Versicherungsnehmer sind betroffen. Auch die Aktionäre der Gesellschaften werden sich Sorgen machen müssen. Weshalb? Solvency II ist das eine Stichwort. Risikobasierte Kapitalausstattung des Unternehmens das Andere. Wenn das Zinsrisiko steigt, wird dieses Risiko entsprechend mit Kapital unterlegt werden müssen. Für die vertraglich vereinbarten Zinsen haftet die Gesellschaft nicht nur mit dem Deckungsstock sondern auch mit dem sonstigen verfügbaren Kapital. Bei einer entsprechenden Prognose werden sich die Vorstände der Lebensversicherer mit Gewinnausschüttungen zurückhalten müssen. Keine erbauliche Situation.

Hier werden sich in den nächsten Jahren die Aktuare und Finanzvorstände der betroffenen Unternehmen Gedanken machen müssen. Sanio hat das Menetekel verkündet.

Peter

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